07.10.2016 von

Michael Zettel: „Aufholbedarf bei Digitalisierungsstrategien“

„Es liegt in der DNA vieler österreichischer Unternehmen, die Produkte schrittweise zu verbessern.“ Doch das reiche heutzutage nicht mehr, um eine funktionierende Digitalisierungsstrategie zu entwickeln, diagnostiziert Michael Zettel. „Digital Wave“ traf den Country Managing Director von Accenture Österreich zum Gespräch.

Wo stehen die österreichischen Unternehmen bei der digitalen Transformation?

Einerseits haben wir in Österreich bereits echte Vorreiter in der Digitalisierung. In einigen Branchen haben wir schon gesehen, dass Unternehmen durch geschickte Digitalisierungsstrategien beachtliche Wettbewerbsvorteile erzielen.

Andererseits gibt es im Durchschnitt und insbesondere im Ländervergleich mit Deutschland und der Schweiz noch großen Aufholbedarf. Die Unternehmen sind noch viel zu sehr auf Effizienzsteigerung fokussiert, zu wenig auf ein neues Kundenerlebnis, neue Services oder Produkte und neue Geschäftsmodelle.

Was sind für Unternehmen die größten Hürden bei ihrer Digitalisierungsstrategie?

Die größte Hürde bei der digitalen Transformation besteht darin, völlig neue Kundenerlebnisse zu gestalten. Es liegt in der DNA vieler österreichischer Unternehmen, die Produkte schrittweise zu verbessern. Das reicht heute nicht mehr. Für neue Geschäftsmodelle müssen Strukturen in der bestehenden Organisation auch einmal radikal verändert oder neue Kooperationen entwickelt werden.

Zweiter Punkt ist der Umgang mit Daten: Diese werden immer noch nicht vernünftig verwertet. Silodenken, gewachsene IT-Systeme und Datenschutz stehen hier noch oft im Weg.
Wir wünschen uns insgesamt mehr Mut und Experimentierfreudigkeit nach dem Motto “try often, fail fast”.

Wissen die Unternehmen ausreichend Bescheid über die regulatorischen Rahmenbedingungen?

Es besteht leider große Unsicherheit in rechtlichen Fragen. Jedes Unternehmen definiert Datenschutz und die Möglichkeiten unterschiedlich. Das verlangsamt die Digitalisierung. Die hauseigenen und die externen Datenschützer bremsen hier oft, z.B. am Weg in die Cloud. Kompetente Rechtsberatung ist hier unerlässlich – wir freuen uns über Vorreiter wie Baker McKenzie, die als Wegbereiter helfen, die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen sicherzustellen und dennoch die Möglichkeiten der Digitalisierung voll zu nutzen.

Welche Regulierungen machen Unternehmen in der Praxis am meisten zu schaffen?

Rechtliche Hürde Nummer 1 ist sicher der Datenschutz und die Datenhaltung: Welche Daten dürfen unter welchen Voraussetzungen in die Cloud? Wo muss die Cloud physisch sitzen? Von wo aus darf auf die Cloud zugegriffen werden? Wie rechtssicher sind die großen Software- und Cloud-Provider? Im Finanzbereich kommt noch das Bankengeheimnis bzw. die bankspezifischen Regulierungen dazu: In welchem Umfang darf ich Kundendaten auswerten? Wie schaffe ich es, dass der Cloud-Provider die Integrität der Daten seiner anderen Kunden schützt, ohne die Auditrechte der Aufsichtsbehörden zu beschneiden?

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