Wie die Digitalisierung die Due Diligence verändert

Due Diligence ist nicht gleich Due Diligence: Die Digitalisierung von Unternehmen erfolgt vermehrt durch Zukauf von externem Know-how. Dafür braucht es neue Prüfprozesse.

Die Digitalisierung betrifft nicht mehr nur Unternehmen, deren Geschäftsmodell datengetrieben ist. Betroffen sind mittlerweile Unternehmen in (fast) allen Branchen: Kunden und Lieferanten, oft auch die eigenen Mitarbeiter fordern schlankere Strukturen, modernere Systeme und digitale Kompatibilität.

Unter dem steigenden Innovationsdruck bleibt Unternehmen aus Zeitgründen immer öfter nur die Möglichkeit, externes Know-how zuzukaufen. Dadurch kann rascher auf neue Technologien zurückgegriffen werden, als es bei einer Entwicklung in-house möglich wäre. Im Bestreben, den Digitalisierungs-Zug nicht zu verpassen, scheinen die für die Unternehmen gezahlten Kaufpreise nach oben hin keine Grenze zu kennen.

Mit dem gesteigerten Interesse von Investoren am Erwerb von digitalem Know-how ist ein wachsender Bedarf an der Prüfung derartiger Unternehmen verbunden. Doch die Due-Diligence-Prüfung digitaler Unternehmen wirft neue Fragen für Target, Käufer und Verkäufer auf.

Due Diligence benötigt anderen Fokus

Das Geschäftsmodell digitaler Unternehmen beruht im Wesentlichen auf der Entwicklung und Verwertung von Immaterialgüterrechten: Geistiges Eigentum ist fast immer ihr überwiegendes, wenn nicht ausschließliches Asset. Deshalb muss auch das Hauptaugenmerk der Due Diligence auf diesen Bereich gelegt werden. Neben den Urheberrechten muss auch sonstiges Know-how, das keinem registerrechtlichen oder sonstigen Schutz zugänglich ist, geprüft werden.

Nicht übersehen werden dürfen angrenzende Bereiche wie etwa das Arbeitsrecht: Auch dort stehen oft IP-lastige Fragen wie Entschädigungsansprüche aufgrund von Rechteübertragungen im Mittelpunkt. Sonstige (Haftungs-)Risiken, die im Rahmen der Prüfung klassischer Industrieunternehmen im Fokus stehen, rücken demgegenüber in den Hintergrund.

Einen zweiten Schwerpunkt der Prüfung bildet selbstredend der Datenschutz. Wesentlich ist die Frage nach der (fortgesetzten) Zulässigkeit der Datennutzung, Datenerhebung und Datenauswertung durch das Target. In der digitalen Wirtschaft haben personenbezogene Daten nämlich eine enorme wirtschaftliche Bedeutung erlangt, insbesondere im Bereich der Massendaten (Big Data).

Due Diligence mit Blick auf Datenschutz-Grundverordnung

Während das geltende Datenschutzrecht beinahe zahnlos ist, wird das Wirksamwerden der Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Mit der Harmonisierung der europäischen Datenschutznormen hat der europäische Gesetzgeber Nutzern mehr Kontrolle über ihre Daten gegeben und insbesondere auch die Online-Rechte des Einzelnen auf Wahrung der Privatsphäre gestärkt.

So hat der europäische Gesetzgeber im Interesse einer konsequenteren Durchsetzung des Datenschutzes nicht zuletzt die Möglichkeit zur Verhängung (erheblicher) Geldbußen vorgesehen. Die Einhaltung datenschutzrechtlicher Bestimmungen durch das Target wird daher bei der Due Diligence wesentlich an Bedeutung gewinnen.

Due Diligence im Schnelldurchlauf?

Auch beim Ablauf der Due Diligence können sich Besonderheiten ergeben: Ist das Target ein digitales Unternehmen, so kann der Prüfprozess unter Umständen rascher und effizienter gestaltet werden. Unternehmen, deren Tätigkeit auf digitalen Technologien beruht, können im Idealfall die relevanten Daten, Dateien und Dokumente für den elektronischen Datenraum rascher und strukturierter zur Verfügung stellen. Auch die (vollständige) Beantwortung von Fragen im Rahmen eines Q&A-Prozesses kann binnen kurzer Zeit erfolgen – eine zentrale Phase für eine allfällige Irrtumsanfechtung und etwaige Schadenersatzansprüche (aus culpa in contrahendo).

Doch die Hoffnung auf eine rasche Durchführung der Due Diligence erfüllt sich nicht immer: Gerade Start-ups stehen bereits im täglichen Geschäftsbetrieb oft nicht genügend (personelle) Ressourcen zur Verfügung. Die Bereitstellung von (zusätzlichen) Kapazitäten für ein modernes Daten- und Dokumentenmanagement ist oft schwer bis kaum möglich. Dann bleibt auch digitalen Unternehmen eine zeit- und kostenintensive Zusammenstellung der relevanten Unterlagen nicht erspart.

Conclusio

Je schneller der Digitalisierungs-Zug fährt, desto seltener digitalisieren sich Unternehmen nur von innen heraus: Immer öfter werden junge digitale Unternehmen erworben und in die eigenen Strukturen implementiert. Die Due Diligence, die dem Kaufprozess vorangeht, muss andere Schwerpunkte setzen als die Prüfung traditioneller Unternehmen. Das stellt neue Anforderungen an Target, Käufer aber auch Verkäufer.

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